Im Beitrag Assistent, Agent, Workflow, Skill, Konnektor: Was ist was? habe ich sechs Begriffe sortiert. Offen blieb, in welcher Reihenfolge man das aufbaut, wenn man KI im Alltag nutzen will. Wer KI-News auf LinkedIn liest, bekommt gerade den Eindruck, ohne eigenes „KI-Betriebssystem“ sei man schon abgehängt.
Die kurze Antwort vorweg: Jede Stufe nimmt dir eine bestimmte Handarbeit ab. Wo du stehst, erkennst du daran, was du noch selbst machst. Ich stehe auf Stufe 5 und weiß ziemlich genau, was mir zur sechsten noch fehlt.
Sechs Stufen im Überblick
| Stufe | Was dir abgenommen wird | Was du noch selbst machst |
|---|---|---|
| 1 Chat | Der erste Entwurf | Dich und deine Lage jedes Mal neu erklären |
| 2 Projektwissen | Das Erklären, wer du bist und was gilt | Den Ablauf jeder Aufgabe neu beschreiben |
| 3 Skill | Das Beschreiben des Ablaufs | Daten hinein- und Ergebnisse herauskopieren |
| 4 Konnektor | Das Kopieren zwischen den Programmen | Jeden Schritt einzeln anstoßen |
| 5 Agent | Das Führen durch die einzelnen Schritte | Den Auftrag geben und das Ergebnis abnehmen |
| 6 Workflow | Das Anstoßen | Regeln pflegen und Stichproben prüfen |

Die Reihenfolge ist kein Gesetz, einen klassischen Workflow ohne KI kannst du jederzeit bauen. Bei mir hat sie sich aber genau so ergeben.
Stufe 1 bis 3: Die KI lernt dich und deine Arbeit kennen
Im Chat beginnt jedes Gespräch bei null. Für einen ersten Entwurf reicht das. Lästig wird es, wenn du zum zehnten Mal erklärst, für wen du schreibst und was auf keinen Fall im Text stehen darf.
Projektwissen nimmt dir dieses Erklären ab. Bei mir sind das im Kern vier Dateien in einem Ordner: eine Arbeitsanweisung mit Regeln und Fallstricken, die SEO-Methodik, Stilregeln und ein Änderungsprotokoll mit über 300 Einträgen. Die KI weiß damit, wie ich positioniert bin und dass Quellen direkt am Text verlinkt werden. Wie eine bestimmte Aufgabe abläuft, weiß sie damit noch nicht.
Das regelt ein Skill. Mein SEO-Skill legt zum Beispiel fest, dass jede Keywordgruppe genau eine Zielseite bekommt und dass vor jeder neuen URL die vorhandenen Seiten geprüft werden. Ohne das Projektwissen darunter wäre er eine SEO-Checkliste wie tausend andere. Die Stufen bauen also aufeinander auf. Projektwissen und Skills zusammen sind meine Burg, die niemals fallen darf!
Stufe 4 und 5: Die KI arbeitet in deinen Systemen
Bis hierhin kopierst du: Daten in den Chat hinein, Ergebnisse wieder heraus. Konnektoren beenden das. Meine Social-Media-Posts plane ich über einen Buffer-Konnektor ein, für SEO-Daten nutze ich SISTRIX MCP und Screaming Frog MCP.
Für WordPress fehlt mir so ein Zugang noch, die KI arbeitet dort über den Browser auf meinem Rechner. Welche Rechte eine KI bekommt, ist eine Frage der Guardrails. Darum geht es in einer eigenen Live-Session in meinem Kurs KI und Automatisierung im Marketing bei MOD education.
Mit Projektwissen, Skills und Zugängen kann ich ganze Aufgaben abgeben, die KI arbeitet dann als Agent. Ich nenne das Ziel und nehme das Ergebnis ab. Dass die Abnahme nötig ist, hat mir der 1. Oktober gezeigt: Ein Statusbericht meldete einen Widerspruch auf meiner Über-mich-Seite, den es nicht gab. Die KI hatte über ein Abruf-Werkzeug eine veraltete Fassung gelesen.
Stufe 6: Was von selbst laufen sollte
Auf der letzten Stufe startet die Arbeit ohne dich, nach Zeitplan oder sobald etwas passiert. Für mich heißt das: Die KI bereitet von selbst vor, ich bleibe als Human in the Loop dabei. Kein Ablauf endet mit einer Veröffentlichung, jeder endet mit einem Entwurf.
Vier Abläufe eignen sich bei mir dafür:
- Glossar-Pflege am Monatsanfang: tote Links, überholte Definitionen und neue Begriffe aus den Beiträgen des Monats prüfen und für das Glossar als Vorschlag vorlegen. Das gebe ich dann auf Zuruf frei, so wird nichts vergessen.
- Nach jeder Veröffentlichung: die Social-Media-Posts als Entwürfe in Buffer anlegen und die Veröffentlichung timen.
- Interne Verlinkung: automatisch prüfen, welche älteren Beiträge auf einen neuen verlinken sollten und welche Links ins Leere laufen.
- Monatsbeitrag mit KI-Marketing-Beispielen: die Übersichtsseite um den neuen Beitrag ergänzen.
Dafür fehlen mir noch drei Dinge. Erstens ein Auslöser, denn bisher stoße ich jeden dieser Abläufe selbst an. Zweitens ein stabiler Zugang zu WordPress, denn über den Browser läuft nichts, wenn mein Rechner aus ist. Welcher Weg dafür der richtige ist, steht noch nicht fest. Drittens eine Testkopie der Website. Die habe ich bisher nicht eingerichtet, weil ich gut mit Backups arbeiten kann. Für Abläufe, die ohne mich starten, reicht das nicht mehr.
Ob ich das alles umsetze, ist eine andere Frage. Mit promptpower.de verdiene ich kein Geld, die Website ist Hobby und Sendungsbewusstsein. Die Handarbeit daran schätze ich, sie macht mir Freude. Warum sollte ich sie mir nehmen? Die Automatisierung ist für mich eher ein Test für meine Kurse: Ich will wissen, wie weit man es treiben könnte.
Das Betriebssystem: ein Ort statt mehrerer Kopien
In Beiträgen zu KI-Themen fällt für die Stufe darüber oft der Begriff „KI-Betriebssystem“. Gemeint ist: Wissen, Skills und Zugänge liegen an einem Ort, und das System verbessert seine eigenen Regeln. Ein Teil davon funktioniert bei mir schon. In meiner Arbeitsanweisung steht, dass wichtige Erkenntnisse ohne Nachfrage ins Änderungsprotokoll wandern. Aus dem falschen Statusbericht wurde so die Regel, Live-Texte nur noch im Backend oder ungecacht zu prüfen.
Zwei Bausteine dafür sind inzwischen dazugekommen:
- Eine Quelle statt mehrerer Kopien. Ich arbeite an dieser Website mit Claude und mit ChatGPT. Beide Werkzeuge legen in ihren Projekten eigene Dateien ab, damit gab es mehrere Orte statt einer Quelle. Heute liegen alle Projektdateien in einem GitHub-Repository, einem Projektordner im Netz, der jede Änderung mit Datum und Begründung festhält. Maßgeblich ist die Fassung dort, die Dateien in den Projekten sind nur noch Kopien.
- Ein Protokoll, das aufgeräumt wird. Das Änderungsprotokoll wächst mit jedem Arbeitstag. Jeden Montag geht die KI es durch und schlägt vor, welche Erkenntnis zur festen Regel wird und welche Regel überholt ist. Was davon gilt, entscheide ich.
Woran du den nächsten Schritt erkennst
Frag dich, welche Handarbeit dich am meisten nervt. Erklärst du dich ständig neu, fehlt Projektwissen. Beschreibst du immer denselben Ablauf, fehlt ein Skill. Kopierst du zwischen zwei Programmen hin und her, fehlt ein Konnektor.
Und frag dich, welche Handarbeit du behalten willst. Bei mir ist das mehr als nur die Freigabe. Welche Aufgaben sich überhaupt lohnen, zeigt die Matrix aus KI-Use-Cases priorisieren. Wie es um ein ganzes Unternehmen steht und nicht nur um den eigenen Arbeitsplatz, klärt der Beitrag zu KI-Readiness und KI-Maturity. Mehr Einordnungen dieser Art findest du unter KI lernen.