Kurz gesagt: Assistent, Agent und Workflow sind drei Arten, mit KI zu arbeiten. Skill und Konnektor sind Bausteine, die in allen drei stecken können. Dazu kommt ein sechster Begriff, der im Titel fehlt und oft mit dem Skill verwechselt wird: das Projektwissen.

Fast jedes KI-Produkt heißt inzwischen Agent. Dazu kommen Assistenten, Workflows, Skills und Konnektoren, und kaum ein Anbieter erklärt, wie diese Begriffe zusammenhängen.

BegriffWas es istWas du vorgibst
AssistentKI im Chat, die auf deine nächste Anweisung wartetJeden einzelnen Schritt
AgentKI, die den Weg zum Ergebnis selbst wähltDas Ziel
WorkflowFeste Schrittfolge, die automatisch abläuftDie Regeln und die Reihenfolge
SkillGespeicherte Arbeitsanweisung, die die KI bei Bedarf lädtWie eine Aufgabe erledigt wird
KonnektorVerbindung zwischen KI und deinen SystemenWorauf die KI zugreifen darf
ProjektwissenUnterlagen, die der KI in einem Projekt dauerhaft vorliegenWas die KI über dich und deine Arbeit weiß

Alle Begriffe stehen zum Nachschlagen auch im KI-Glossar.

Comic-Cover Nr. 4: Alexander Posselt grübelt am Laptop, um ihn herum Assistent, Agent und Workflow als Comicfiguren sowie Skill und Konnektor als Bausteine
Das ist die Nr. 4 einer Serie von PromptPower-Comic-Covern. Frei nach Pokémon gilt: „Gotta catch ’em all!“ oder „Schnapp sie dir alle!“

Assistent, Agent, Workflow: Was gibst du vor?

Die ersten drei Begriffe trennt eine einzige Frage: Was gibst du vor, den Schritt, das Ziel oder die Regeln? Die Frage schaut nicht auf das Produkt und sein Etikett, sondern auf deine Rolle. Mein Beispiel: Aus einem Thema soll ein fertiger Blogbeitrag werden, samt Social-Media-Posts.

Der Assistent: Du führst, die KI liefert zu

Du öffnest ein Chatfenster, bittest um Themenideen, wählst eine aus, lässt dir eine Gliederung vorschlagen und korrigierst. Nach jeder Antwort wartet die KI auf dich. Du behältst die volle Kontrolle und zahlst dafür mit deiner Zeit.

Der Agent: Du nennst das Ziel, die KI wählt den Weg

Du schreibst einen einzigen Auftrag: „Schreibe einen Beitrag über KI-Begriffe, prüfe die Fakten, lege ihn als Entwurf im Blog an und bereite drei Social-Media-Posts vor.“ Die KI entscheidet selbst, was sie zuerst recherchiert und was sie tut, wenn eine Quelle nichts taugt. Am Ende nimmst du das Ergebnis ab.

Entscheidend ist nicht, dass die KI viel tut, sondern dass sie unterwegs selbst entscheidet. Anthropic beschreibt Agenten in Building effective agents als Systeme, in denen das Sprachmodell seinen Ablauf und seinen Werkzeugeinsatz selbst steuert.

Der Workflow: Du legst die Regeln fest, die Maschine arbeitet ab

Du baust einmal eine feste Kette, etwa mit n8n, Make, Zapier oder Power Automate: Sobald ein Beitrag erscheint, holt das Tool Titel und Link, erzeugt drei Post-Texte und plant sie ein. Jeder Beitrag durchläuft dieselben Stationen. Einzelne Stationen können KI nutzen, viele Workflows kommen ganz ohne aus. Das ist kein Mangel: Ein Workflow ohne KI ist berechenbar und billig.

Im Vergleich

AssistentAgentWorkflow
Wer entscheidet unterwegsDuDie KINiemand, der Ablauf steht fest
StärkeKontrolle, schnelle KorrekturNimmt dir ganze Aufgaben abVerlässlich, wiederholbar, günstig
SchwächeKostet deine ZeitWeniger vorhersehbar, braucht AbnahmeStarr, scheitert an Sonderfällen
Passt zuNeuem, Unklarem, EinzelstückenAufgaben mit offenem WegGleichen Abläufen in großer Zahl

Skill, Konnektor, Projektwissen: Bausteine, keine Arbeitsweisen

Diese drei beschreiben nicht, wie du mit der KI arbeitest, sondern was sie dabei zur Verfügung hat. Der Skill liefert das Wie, der Konnektor den Zugang, das Projektwissen das Was.

Der Skill: die gespeicherte Arbeitsanweisung

Ein Skill ist ein Ordner mit einer Anleitung für eine bestimmte Aufgabe, oft ergänzt um Beispiele, Vorlagen und kleine Skripte. Die KI kennt zunächst nur Name und Kurzbeschreibung und lädt die vollständige Anleitung erst, wenn eine Aufgabe dazu passt. So beschreibt es die Übersicht zum Format Agent Skills.

Gemeint ist also keine Kompetenz der KI, sondern eine Datei mit Anweisungen. Anders als ein langer Prompt belegt sie den Kontext nur, wenn sie gebraucht wird. Das Format stammt von Anthropic, ist ein offener Standard und läuft inzwischen auch in ChatGPT, Gemini CLI und GitHub Copilot.

Der Konnektor: der Zugang zu deinen Systemen

Ein Konnektor verbindet die KI mit dem, was außerhalb des Chatfensters liegt: Mail, Kalender, CRM, Redaktionssystem. Ohne Konnektor kann die KI über deinen Blog schreiben, mit Konnektor kann sie den Entwurf dort anlegen. Der Konnektor öffnet nur die Tür. Was die KI dahinter tun darf, legst du mit den Berechtigungen fest.

Technisch steckt meist MCP dahinter, das Model Context Protocol. Die Projektseite vergleicht es mit einem USB-C-Anschluss für KI-Anwendungen. Mehr dazu steht in MCP, WebMCP & A2A: Wie KI-Agenten Zugriff auf die digitale Welt bekommen.

Das Projektwissen: der Begriff, der im Titel fehlt

Projektwissen sind die Unterlagen, die du der KI in einem Projekt dauerhaft mitgibst: Regeln, Positionierung, Beispiele, frühere Entscheidungen. Den Namen verwendet Claude, andere Assistenten bieten Vergleichbares unter eigenen Bezeichnungen.

Mit dem Skill wird es oft verwechselt, weil beides dafür sorgt, dass du nichts zweimal erklärst. Der Unterschied: Ein Skill ist ein Verfahren für eine bestimmte Aufgabe und funktioniert in jedem Projekt. Projektwissen ist Wissen über dich und deine Arbeit und gilt nur in diesem einen Projekt.

Schaubild: Assistent, Agent und Workflow als drei Arbeitsweisen mit KI, darunter Skill und Konnektor als Bausteine, die allen dreien zur Verfügung stehen
Die fünf Begriffe aus dem Titel. Das Projektwissen wäre ein dritter Baustein in der unteren Reihe. Zum Vergrößern anklicken.

So sieht das bei PromptPower aus

Ich pflege promptpower.de inzwischen fast vollständig über KI. Dabei kommt fast alles aus diesem Beitrag vor:

  • Assistent: Diesen Beitrag habe ich im Dialog entwickelt: Entwurf, Rückfrage, Korrektur, nächster Schritt. Jede Richtungsentscheidung lag bei mir.
  • Agent: Für das Glossar habe ich nur das Ziel genannt: fehlende Begriffe aus diesem Beitrag ergänzen. Die KI hat die Seite gelesen, die Einträge geschrieben und einsortiert. Nebenbei fiel ihr auf, dass ein Zähler in der Navigation schon vorher nicht stimmte.
  • Konnektor: Meine Social-Media-Posts plane ich über einen Buffer-Konnektor auf drei Kanälen ein. SEO-seitig arbeite ich mit Sistrix MCP und Screaming Frog MCP.
  • Projektwissen: Meine Redaktions- und SEO-Regeln liegen als Datei im Projekt, ebenso meine Positionierung. Das ist meine Burg, die niemals fallen darf!
  • Skill: Ein Beispiel ist mein SEO-Skill „PromptPower SEO-Strategie“. Er legt fest, wie die KI bei Keyword-Zuordnung, interner Verlinkung und Positionierung vorgeht. Eine Regel daraus: Jede Keywordgruppe bekommt genau eine Zielseite. Den Skill gibt es als portables Paket, damit dieselbe Methodik auch in ChatGPT und Codex funktioniert.
  • Workflow: Streng genommen habe ich noch keinen. Das alles läuft nicht vollautomatisch, denn ich will als „Human in the Loop“ dabei bleiben. Was ich habe, ist ein persönlicher Workflow: ein fester Ablauf, den ich selbst anstoße und abnehme. Ein technischer Workflow, der ohne mich durchläuft, ist das noch nicht.

Warum trotzdem alles „Agent“ heißt

Die Grenzen sind fließend. Ein Chat mit Websuche und Konnektoren wählt innerhalb einer Antwort schon mehrere Schritte selbst, und viele Workflows enthalten eine Station, an der ein Agent frei arbeitet. Die drei Arbeitsweisen sind eher Punkte auf einer Skala als getrennte Schubladen.

Dazu kommt das Marketing: „Agent“ verkauft sich besser als „Automatisierung“. Das Marktforschungshaus Gartner nennt das „Agent Washing“ und schätzte im Juni 2025, dass von mehreren tausend Anbietern nur rund 130 echte Agenten-Technik liefern. Wenn dir jemand einen Agenten verkaufen will, frag deshalb nach: Wer entscheidet unterwegs? Steht die Schrittfolge fest, ist es ein Workflow. Das kann genau das Richtige sein, es sollte nur nicht mehr kosten, weil „Agent“ draufsteht.

Was davon brauchst du?

Nimm die einfachste Lösung, die die Aufgabe erledigt. Anthropic empfiehlt Entwicklern dasselbe: Komplexität nur erhöhen, wenn es nötig ist.

Deine SituationPassende Wahl
Die Aufgabe ist neu, du weißt noch nicht genau, was du willstAssistent
Die Aufgabe läuft immer gleich ab und kommt oft vorWorkflow
Das Ziel ist klar, der Weg hängt vom Einzelfall abAgent
Du erklärst der KI zum dritten Mal denselben AblaufSkill schreiben
Die KI kennt deine Regeln und deine Marke nichtProjektwissen anlegen
Du kopierst ständig Inhalte zwischen KI und einem anderen ProgrammKonnektor einrichten

Die Kosten: Ein Agent verbraucht für dieselbe Aufgabe deutlich mehr Token als ein Chat, weil er plant, prüft und nachbessert. Warum das bei den aktuellen Abos ins Gewicht fällt, steht in KI-Abos 2026: Der Preis bleibt, die Flatrate verschwindet.

Die Kontrolle: Je mehr die KI selbst entscheidet und je mehr Konnektoren sie hat, desto wichtiger sind klare Grenzen: Was darf sie lesen, was ändern, was braucht deine Freigabe? Um genau solche Leitplanken geht es in der Live-Session zu Guardrails in meinem Kurs KI und Automatisierung im Marketing bei MOD education.

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