25 Jahre nach dem ersten PISA-Schock fällt die Bilanz ernüchternd aus. Die aktuellen Ergebnisse markieren laut SPIEGEL in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften einen historischen Tiefstand. Besonders bitter: Deutschland hatte zwischenzeitlich bewiesen, dass es besser geht.

Nach 2001 folgten Bildungsstandards, Vergleichstests, Förderprogramme und eine stärkere Orientierung an messbaren Lernergebnissen. Bis 2012 verbesserten sich die Leistungen deutlich.

Eine wichtige Veränderung war die sogenannte empirische Wende: Nicht nur Konzepte, Absichten und Methoden sollten zählen, sondern das, was bei den Lernenden tatsächlich ankommt.

Genau diese Diskussion sollten wir heute auch über KI-Weiterbildung führen.

KI im Kurs macht noch keinen guten KI-Kurs

Der Weiterbildungsmarkt erlebt gerade einen KI-Boom. ChatGPT, Claude, Gemini, Bildgeneratoren, Automatisierung und KI-Agenten wandern in Schulungsprogramme.

Das ist richtig und notwendig. Aber die Integration neuer Tools ist noch kein Qualitätsmerkmal.

Die entscheidende Frage lautet nicht: „Wurde KI im Kurs eingesetzt?“

Sondern: „Welche beruflichen Kompetenzen können die Teilnehmenden danach tatsächlich anwenden?“

  • Können sie einen realen Arbeitsprozess analysieren und sinnvoll mit KI verbessern?
  • Können sie KI-Ergebnisse kritisch prüfen, Quellen bewerten und Fehler erkennen?
  • Wissen sie, wann Automatisierung sinnvoll ist und wann menschliche Kontrolle notwendig bleibt?
  • Können sie das Gelernte auf neue Aufgaben übertragen?

Erst dann sprechen wir über Kompetenz.

Toolwissen reicht nicht

Das ist bei KI besonders wichtig. Modelle und Tools verändern sich teilweise innerhalb weniger Monate. Wer nur lernt, welcher Button wo geklickt oder welcher Musterprompt kopiert werden muss, verfügt über Wissen mit ziemlich kurzer Halbwertszeit.

Moderne KI-Weiterbildung muss deshalb tiefer gehen:

Ziel definieren → KI einsetzen → Ergebnis prüfen → verbessern → selbst entscheiden.

Fünfstufiger Prozess zu KI-Kompetenz: Ziel definieren, KI einsetzen, Ergebnis prüfen, verbessern, selbst entscheiden

Auch Prüfungen und Abschlussaufgaben sollten das sichtbar machen. Ein beeindruckender KI-Output allein sagt wenig aus. Der kann im Zweifel durch einen glücklichen Prompt entstanden sein.

Interessanter ist der Prozess:

  • Warum wurde ein bestimmtes Modell gewählt?
  • Welche Ergebnisse wurden verworfen?
  • Was wurde verbessert?
  • Welche Grenzen wurden erkannt?
  • Welche Entscheidungen hat der Mensch selbst getroffen?

Was wir aus PISA lernen können

Die vielleicht wichtigste Lektion aus 25 Jahren PISA lautet deshalb: Bildung wird nicht automatisch besser, weil wir neue Methoden und Technologien einführen.

Wir brauchen nicht möglichst viele KI-Kurse und schon gar keine möglichst langen Toollisten.

Wir brauchen Weiterbildungen, bei denen überprüfbar ist, ob Menschen anschließend selbstständig, kritisch und produktiv mit KI arbeiten können.

Denn am Ende gilt für Bildung mit KI dasselbe wie für Bildung ohne KI:

Nicht der Input entscheidet über Qualität. Entscheidend ist, was Menschen tatsächlich gelernt haben.

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