Was ist Search Everywhere Optimization?

Search Everywhere Optimization (SEO) meint die Optimierung für alle Orte, an denen Menschen suchen: Suchmaschinen, KI-Assistenten, Marktplätze, soziale Netzwerke, Communitys und Fachportale. Jeder Ort hat eigene Signale und eigene Kennzahlen.

Eine Grafik von NP Digital, der Agentur von Neil Patel, zeigt, wo Verbraucher ihre Recherche nach einem Produkt oder einer Dienstleistung beginnen: 38 Prozent bei einer klassischen Suchmaschine, 24 Prozent bei ChatGPT oder einem anderen KI-Assistenten, 19 Prozent bei Amazon und anderen Marktplätzen, 11 Prozent in sozialen Medien. Patel hat sie auf LinkedIn geteilt.

Gilt das auch für Deutschland? Die Richtung ja, die Zahl lässt sich nicht übertragen. Deutsche Studien zeigen, dass Google und Amazon die Produktsuche weiter klar anführen und KI als zusätzlicher Kanal wächst. Eine Erhebung, die wie Patel nur den ersten Einstiegspunkt misst, gibt es für Deutschland nicht.

„Search is dead“ folgt daraus nicht. Eher, dass SEO den Namen ernster nehmen sollte, den manche ihm inzwischen geben: Search Everywhere Optimization.

Was die Patel-Zahl misst und was nicht

Gefragt wurde nach dem ersten Schritt einer Recherche, nicht nach der ganzen Customer Journey. Wer zuerst ChatGPT fragt und dann bei Google Preise vergleicht, zählt nur für den KI-Kanal. Jede befragte Person konnte nur einen Startpunkt nennen, die Werte ergeben zusammen 100 Prozent. Ein Land nennt die Grafik nicht. Über die Frage, wo am Ende gekauft wird, sagt die Grafik nichts.

Wertlos ist sie trotzdem nicht: KI-Assistenten haben als Startpunkt eine Größe erreicht, die man nicht mehr als Spielerei abtun kann.

Wer ist Neil Patel, und warum steht er hier am Anfang?

Neil Patel hat Crazy Egg und Kissmetrics gegründet und 2017 die Agentur NP Digital mitgegründet, zu der auch Ubersuggest und AnswerThePublic gehören. Sein Blog kommt nach eigenen Angaben auf über 9 Millionen Besuche im Monat, sein YouTube-Kanal auf über 1,3 Millionen Abonnenten.

Dass die halbe Branche auf jede seiner Veröffentlichungen anspringt, liegt auch an seiner Positionierung: jahrelange Sichtbarkeit, die richtigen Themen zur richtigen Zeit und Aussagen, die sich leicht teilen lassen. So verbreitet sich auch diese Grafik, oft ohne die Frage nach Stichprobe und Methodik. Genau deshalb ist sie hier der Aufhänger.

Meine Einordnung schmälert weder sein Lebenswerk noch seine Leistung. Ich nutze Patel selbst für viele Themen als Referenz. Eine Aussage wird nur nicht dadurch richtiger, dass sie von ihm stammt.

Was deutsche Studien zeigen

StudieWas gemessen wurdeErgebnisBasis
Nordlight Research, Trendmonitor Deutschland (Oktober 2025)bevorzugter Weg, um sich über Produkte und Dienstleistungen zu informierenSuchmaschinen 74 %, KI-Tools 14 %, soziale Medien 6 %über 1.500 Personen, 18 bis 75 Jahre, Mitentscheider bei Mobilfunk, Versicherung, Finanzen oder Energie
Claneo, State of Search 2025 (April 2025)genutzte Plattformen bei der Produktsuche, MehrfachnennungGoogle 53 %, Amazon 50 %, Preisvergleiche 27 %, Instagram 10 %, TikTok 9 %1.000 Personen, je 250 pro Altersgruppe, nicht bevölkerungsrepräsentativ
CELUM mit TQS Research (März/April 2026)Nutzung von KI-Chatbots zur Produktinformation, Mehrfachnennung29,7 %1.000 Personen, 16 bis 65 Jahre, repräsentativ
Bitkom (Herbst 2025)KI-Chats statt Suchmaschine, alle Informationssuchen50 % nutzen zumindest teilweise KI-Chats, 47 % ausschließlich Suchmaschinen1.030 Internetnutzer ab 16 Jahren
YouGov (April/Mai 2026)Einstieg je InformationsbedürfnisSuchmaschinen bei allen untersuchten Themen vorn, KI-Assistenten als Ergänzung1.005 Personen ab 18 Jahren

Am nächsten an Patels Frage ist Nordlight: bevorzugter Suchweg, eine Antwort pro Person. Dort stehen 14 Prozent für KI-Tools. Allerdings fragt Nordlight nach Dienstleistungen wie Versicherungen und Energie und hat Amazon nicht als eigene Antwort. Claneo zeigt dagegen, wie stark Amazon bei Produkten ist: Jeder Zweite sucht dort, fast so viele wie bei Google. Bei Claneo fallen außerdem die Jüngeren stärker ins Gewicht als in der Bevölkerung, weil jede Altersgruppe gleich groß ist. Das treibt die Werte für TikTok und Instagram eher nach oben.

Bitkom und YouGov messen kein Kaufverhalten, sondern Suche allgemein. Beide kommen zum selben Bild: KI ergänzt die Suchmaschine, sie ersetzt sie bei den meisten nicht.

Google, Amazon und KI in einer Grafik

Die Grafik bringt zwei Umfragen zusammen, deshalb steht die KI-Zahl abgesetzt und gestreift darunter. Ohne diese Trennung sähe es so aus, als würden KI-Chatbots in Deutschland schon häufiger für die Produktsuche genutzt als Preisvergleichsportale. Das geben zwei Befragungen mit unterschiedlichen Fragen und Stichproben nicht her.

Search Everywhere Optimization: sechs Orte, an denen gesucht wird

Search Everywhere Optimization ist kein festgelegter Fachbegriff, sondern ein Rahmen, und jede Suchumgebung hat eigene Regeln. Bei Google zählen Ranking und Snippets, bei ChatGPT, ob man als Quelle genannt wird, bei Amazon Produktdaten und Bewertungen, auf TikTok die Suchbegriffe in Titel und Text.

Neu ist davon wenig. Amazon-SEO und Local SEO gibt es seit Jahren. Neu ist, dass KI-Assistenten dazukommen und dabei aus den anderen Umgebungen schöpfen: Was in Google gut indexiert ist, was auf Reddit diskutiert und auf Bewertungsportalen gelobt wird, landet eher in der KI-Antwort. Warum Erwähnungen außerhalb der eigenen Website dabei so viel Gewicht haben, steht in meinem Beitrag zu Digital Authority Management.

Was daraus für SEO und GEO folgt

SEO bleibt die Grundlage. Bei Nordlight bevorzugen drei von vier Befragten die Suchmaschine. Und KI-Systeme, die im Web suchen, greifen auf Inhalte zurück, die auffindbar und sauber strukturiert sind. Wer bei Google unsichtbar ist, hat es auch in AI Overviews schwer.

GEO lohnt sich zuerst bei erklärungsbedürftigen Angeboten. Wer eine Versicherung, eine Software oder eine Weiterbildung sucht, stellt eher eine lange Frage als jemand, der Druckerpatronen braucht. Genau dort sind KI-Assistenten stark. Wie SEO, SEA und GEO zusammenspielen, habe ich in SEO, SEA und GEO getrennt zu denken, wird zum strategischen Fehler beschrieben.

GEO messen. Eine Kennzahl für alle Suchorte gibt es nicht, für KI-Sichtbarkeit erst recht nicht. Meine eigene Website werte ich in der Google Search Console und in GA4 aus. In der Search Console steht unter Leistung der Bericht „Auf generativer KI basierende Funktion“. Er zeigt, wie oft Seiten von promptpower.de in AI Overviews und im AI Mode angezeigt wurden, aufgeschlüsselt nach Seiten, Ländern, Geräten und Tagen. Klicks, Suchanfragen und Positionen liefert er bisher nicht, und beide KI-Funktionen stehen in einer gemeinsamen Zahl. In GA4 arbeite ich mit der explorativen Datenanalyse und filtere die Dimension „Quelle/Medium der Sitzung“ mit diesem regulären Ausdruck: .*(chatgpt|openai|gemini|perplexity|claude|copilot|mistral|grok|deepseek|meta\.ai|you\.com).*. So sehe ich, wie viele Sitzungen über KI-Assistenten kommen. Besuche, bei denen keine Verweisquelle mitkommt, landen allerdings unter „direkt“ und fehlen in dieser Auswertung. Wie viel Verkehr KI-Antworten insgesamt bringen, habe ich bei den Studien zum AI Referral Traffic zusammengetragen.

Marktplätze gehören in die Suchstrategie. Wer Produkte verkauft und Amazon nur als Vertriebskanal betrachtet, übersieht, dass dort jeder Zweite sucht. Produktdaten, Titel und Bewertungen sind dort das, was Inhalte und Links bei Google sind.

Die interne Suche nicht vergessen. Aus meiner Erfahrung spielt auch die interne Suche einer Website heute eine große Rolle. Wer dort etwas eintippt, ist schon da und sagt in eigenen Worten, was er sucht. Trotzdem liegt die Suchfunktion meist nicht in der Verantwortung der SEOs, sondern bei der IT. Das finde ich bedenklich: Man optimiert für Google, ChatGPT und Amazon und überlässt den letzten Suchschlitz vor dem Abschluss einer anderen Abteilung.

Mein Fazit: Neil Patels Grundaussage passt auch auf Deutschland. Seine 24 Prozent lassen sich hier weder bestätigen noch widerlegen, weil niemand dieselbe Frage gestellt hat. Die deutschen Werte rahmen sie ein: Knapp 30 Prozent nutzen KI-Chatbots überhaupt, um sich über Produkte zu informieren (CELUM), aber nur 14 Prozent bevorzugen KI als Suchweg (Nordlight). Patels Wert für den ersten Startpunkt liegt dazwischen. Die Suchmaschine bleibt vorn, und Amazon ist bei Produkten fast gleichauf. Für die Arbeit heißt das: Google nicht abschreiben, aber auch nicht so tun, als wäre Google die einzige Suchmaschine.

Klassische Suche und KI-Suche zusammen zu denken ist auch der rote Faden in meinem SEO-Kurs bei MOD education. Dass der Bundesverband Digitale Wirtschaft das ähnlich sieht, zeigt das neue BVDW-SEO-Zertifikat, das KI-Suche als eigenen Themenbereich prüft. Mehr zu Anwendungsfeldern von KI im Marketing steht im Hub KI im Marketing.