Ich habe das neue SEO-Zertifikat des Bundesverbands Digitale Wirtschaft (BVDW) gemacht, offiziell „BVDW Certified Professional: SEO“. Bestanden habe ich es am 20. Oktober 2026.
Kurz gesagt: Der Test von 2026 geht deutlich tiefer ins technische SEO als die Prüfung, die ich im Mai 2025 abgelegt habe. Ein ganzer Themenbereich dreht sich um KI-Suche, von AI Overviews bis llms.txt, und die ordnet der BVDW erfreulich realistisch ein.

Warum ich als KI-Dozent noch einmal ein SEO-Zertifikat gemacht habe
Ich unterrichte bei MOD education nicht nur KI. Zusammen mit Klaus Polajner bin ich auch im Kurs „SEO, GEO und Digitale Content-Entwicklung“ unterwegs, und dort ändert sich das Fach gerade schneller als je zuvor. Wer in diesem Kurs unterrichtet, darf die eigene Weiterbildung im SEO nicht schleifen lassen. Wie Klaus das Thema Weiterbildung sieht, hat er in seinem Gastbeitrag über Konferenzen, Meetups und Networking beschrieben.
Dazu kommt ein zweiter Grund: Unsere Teilnehmenden können das BVDW-Zertifikat optional bei uns ablegen. Wer ihnen diese Prüfung empfiehlt, sollte sie selbst in der aktuellen Version kennen und mit gutem Beispiel vorangehen.
Vorbereitet habe ich mich mit einem eigenen Übungstest. Auf Basis des Lernzielkatalogs, den der BVDW auf seiner Website veröffentlicht, und unserer MOD-Kursunterlagen hat Claude mir in etwa zehn Minuten 200 Multiple-Choice-Fragen gebaut. Die echten Prüfungsfragen waren das natürlich nicht, aber so hatte ich den Zeitdruck und die thematische Breite.
Die Fragen bin ich dann immer wieder nebenbei durchgegangen. Falsche Antworten kamen in einen Wiederholungspool, richtige waren erledigt.
So läuft die Prüfung zum BVDW-SEO-Zertifikat
Das BVDW-SEO-Zertifikat kostet 199 Euro, für Mitglieder des Verbands 149 Euro, jeweils zuzüglich Mehrwertsteuer. Für Studierende und Auszubildende gibt es auf Anfrage Sonderkonditionen. Im Preis stecken die Prüfung und das Zertifikat, das unbefristet gilt. Einen Badge für LinkedIn, wie ihn die BVDW-Seite nennt, habe ich nicht gefunden. Du kannst das Zertifikat aber natürlich von Hand in dein LinkedIn-Profil eintragen. Der KI-Campus löst das deutlich besser.
Laut Lernzielkatalog (Stand August 2026) besteht die Prüfung aus 60 Multiple-Choice-Fragen in 60 Minuten. Bestanden hat, wer mindestens 80 Prozent richtig beantwortet, also 48 von 60 Fragen. Die Prüfung läuft online und lässt sich innerhalb von zwei Wochen nach der Buchung jederzeit starten.
Was die Neufassung 2026 prüft: zehn Themenbereiche
Der BVDW schreibt im Lernzielkatalog, die Neufassung erweitere die bisherige SEO-Systematik um technische Suchmaschinenoptimierung, Content-Qualität, strukturierte Daten, KI-gestützte Suche, GEO und LLMO. Entwickelt hat sie die Fokusgruppe Search des Verbands. Im Expertenbeirat sitzen Christoph Baur (Bits & Passion), Julian Dziki (Seokratie), Johan von Hülsen (Wingmen Online Marketing), Olaf Pleines (construktiv) und Natascha Schindler (Waldhirsch Marketing). Die Prüfung verteilt sich auf zehn Themenbereiche:
- Grundlagen der Suche, Crawling, Rendering und Indexierung
- Suchintention, SERP-Aufbau und Recherchekompetenz
- Onpage-Optimierung, HTML-Signale und Informationsarchitektur
- Strukturierte Daten, Entitäten und angereicherte Ergebnisdarstellung
- Content-Qualität, E-E-A-T, Richtlinien und thematische Autorität
- Technische Performance, Mobile SEO und Website-Auslieferung
- Offpage, Linkbewertung, Reputation und Risiken
- Tools, Datenquellen, KPIs und Erfolgsmessung
- KI-gestützte Suche, GEO, LLMO und Retrieval-Grundlagen
- Internationales, vertikales und plattformspezifisches SEO
Technisches SEO im BVDW-Zertifikat: vom Crawling bis zum Rendering
Beim technischen SEO geht das BVDW-Zertifikat 2026 laut Lernzielkatalog deutlich tiefer als ein Grundkurs. Gefragt ist das Verständnis, wie Crawling, Rendering, Indexierung und Ranking zusammenhängen, von Rendering Queues und Canonicals bis zu den Core Web Vitals. Der Katalog verlangt auch, Lighthouse als Prüfwerkzeug vom Chrome UX Report (CrUX) mit echten Nutzerdaten zu unterscheiden und Rendering-Architekturen wie Server-Side Rendering und Hydration einzuordnen. Ehrlich gesagt: Bei Hydration musste ich schon im Lernzielkatalog zweimal lesen.
Bei den strukturierten Daten mag ich eine Formulierung im Katalog besonders: Strukturierte Daten können die Eignung für Rich Results unterstützen, garantieren aber keine Ausspielung. Warum Schema Markup im KI-Zeitalter trotzdem wichtiger wird, habe ich in 15 Jahre Schema Markup beschrieben.
KI-Suche im SEO-Zertifikat: von AI Overviews bis llms.txt
Der neunte Themenbereich ist der eigentliche Neuzugang. Laut Katalog geht es darum, AI Overviews, AI Mode, GEO und LLMO als Erweiterung klassischer SEO-Sichtbarkeit einzuordnen und zu verstehen, wie große Sprachmodelle Inhalte finden und auswählen, mit Begriffen wie RAG (Retrieval-Augmented Generation), Embeddings und Query Fan-Out.
Auch llms.txt steht im Katalog, und zwar ausdrücklich als „kuratierende Konvention“, die von robots.txt und Sitemaps abzugrenzen ist. Das gefällt mir, weil der BVDW damit nicht in den Hype einstimmt: llms.txt ist kein Standard, den Suchsysteme verbindlich auswerten, sondern ein Vorschlag, KI-Systemen eine kuratierte Übersicht der eigenen Inhalte anzubieten. Mehr verspricht der Katalog nicht, und mehr kann die Datei derzeit auch nicht.
Der wichtigste Satz dieses Bereichs: Sichtbarkeit in KI-Systemen braucht nicht nur technische Bereitstellung, sondern auch Content-Qualität, Zitierfähigkeit, Entitäten und eine klare Informationsarchitektur. Das deckt sich mit dem, was ich im Kurs und hier im Blog seit Monaten predige, zuletzt in ChatGPT und der eigene Suchindex. Auch die Bildersuche gehört laut Katalog dazu, passend zu meinem Beitrag Bild-SEO für KI-Suche.
Was mich am BVDW-SEO-Zertifikat überzeugt hat und was nicht
Überzeugt hat mich, dass der BVDW SEO, GEO und KI-Suche nicht als getrennte Fächer behandelt. Wer heute für Google optimiert, optimiert gleichzeitig für ChatGPT, Perplexity und die AI Overviews. Die Prüfung bildet das ab.
Gefallen hat mir auch die Machart der Fragen. Einen guten Multiple-Choice-Test erkennt man an starken Distraktoren. So heißen die falschen Antwortmöglichkeiten, die so plausibel klingen, dass man sie nur mit echtem Wissen ausschließen kann. Mit Raten kommt man da nicht weit.
Widersprechen würde ich dem BVDW bei der Zielgruppe. Der Lernzielkatalog führt Begriffe aus gut zwei Jahrzehnten SEO nebeneinander, von der Frühzeit der Suchmaschinenoptimierung bis zur Funktionsweise großer Sprachmodelle. Ob (Junior-)SEO-Manager:innen oder Online-Marketing-Manager:innen mit SEO-Fokus im Alltag wirklich mit all diesen Themen und Konzepten zu tun haben, wage ich zu bezweifeln. Andererseits soll ein Zertifikat auch fordern. Wer den Test besteht, kann mit den Themen etwas anfangen. Sie umzusetzen, ist allerdings eine andere Geschichte.
Für wen sich das BVDW-SEO-Zertifikat lohnt
Ich empfehle das Zertifikat allen, die im SEO oder Online-Marketing arbeiten und ihr Wissen einmal unabhängig überprüfen lassen wollen. Gerade nach ein paar Jahren im Job zeigt so ein Test ziemlich ehrlich, welche Bereiche man im Alltag aus den Augen verloren hat. Bei mir waren das zum Beispiel Themen rund um HTTP und HTTPS. Im Alltag erledigen Hosting und Plugins davon so viel automatisch, dass man das Wissen dahinter kaum noch braucht, bis einmal etwas nicht so funktioniert wie gedacht.
Für Teilnehmende einer Weiterbildung ist es ein anerkannter Nachweis für den Lebenslauf, der über das Zertifikat des Bildungsträgers hinausgeht. Im Kurs SEO, GEO und Digitale Content-Entwicklung können sie es deshalb zum Abschluss ablegen.
Mein Fazit: Das SEO-Zertifikat ist im KI-Zeitalter angekommen
Die Neufassung des BVDW-Zertifikats ist mehr als ein Update. Sie zieht die Grenze zwischen SEO und GEO dort, wo sie in der Praxis liegt, nämlich nirgends. Dass ein Branchenverband die Funktionsweise großer Sprachmodelle in eine SEO-Prüfung schreibt, zeigt, dass KI-Suche kein Spezialthema mehr ist. Warum SEO, SEA und GEO zusammen gedacht werden müssen, steht in SEO, SEA und GEO getrennt zu denken, wird zum strategischen Fehler.
Für mich hat sich das Zertifikat gelohnt. Ich weiß jetzt genauer, was ich meinen Teilnehmenden zumute, und an einer Stelle habe ich meine eigenen Kursunterlagen schon angepasst.
Welche Zertifikate ich sonst gemacht habe, steht auf Über mich. Wie du gute Weiterbildungsanbieter erkennst, beschreibt der Anbietercheck. Welche Wege es außer dem Zertifikat gibt, GEO zu lernen, zeigt der Vergleich der GEO-Weiterbildungen.
