Im September 2026 habe ich 27 Beispiele gesammelt, fast viermal so viele wie in den Monaten davor. Das liegt weniger daran, dass plötzlich mehr passiert wäre, als daran, dass sich das Feld verbreitert hat. Neben Kampagnen stehen inzwischen Plattformen, Agenten und Messsysteme, und beides gehört zusammen: Wer nur auf Werbefilme schaut, übersieht, dass KI gerade in die Werkzeuge einzieht, mit denen Marketing gemacht wird.

Die Beispiele stammen überwiegend aus Fachmedien der Werbe- und Marketingbranche sowie aus Mitteilungen der beteiligten Unternehmen. Bei den Plattformfällen kommen die Leistungszahlen fast immer vom Anbieter selbst. Das ist für eine Beobachtung aktueller Arbeitsweisen brauchbar, ersetzt aber keinen unabhängigen Wirksamkeitsnachweis, und ich schreibe deshalb dazu, woher eine Zahl stammt. Wofür KI im deutschen Marketing tatsächlich genutzt wird, zeigt Wofür wird KI im deutschen Marketing tatsächlich genutzt?

Sortiert sind die Fälle nach vier Arten der Nutzung: KI in der Produktion von Werbung, KI als Kampagnenidee, KI-Agenten, die Arbeitsschritte übernehmen, und KI in Daten, Performance und Sichtbarkeit. Über die Kacheln springst du direkt zu einem Beispiel.

Titelbild der PromptPower-Monatsserie mit dem Schriftzug 27 aktuelle KI-Marketing-Beispiele

KI in der Werbeproduktion

In dieser Gruppe verändert KI vor allem, wie Werbung entsteht. Die Aufgabe bleibt dieselbe, der Weg dorthin wird kürzer oder billiger.

Samsung baut die Kampagne aus KI-Modellen realer Darsteller

Für die Kampagne „Be More You“ dienten reale Schauspielerinnen, Schauspieler und Choreografien als Grundlage für eigene KI-Modelle. Kombiniert wurden unter anderem Midjourney, Nano Banana, Kling und Seedance mit klassischer visueller Nachbearbeitung. Samsung gibt an, die Produktionskosten damit um 91 Prozent gesenkt und mehr als 40 fertige Assets erzeugt zu haben. Testpersonen bewerteten die Kampagne trotz erkennbarer KI-Nutzung positiv bei Authentizität, Auffälligkeit und Einzigartigkeit.

Der Fall ist interessant, weil er den Mittelweg zeigt: Die Modelle basieren auf echten Menschen, nicht auf erfundenen Gesichtern. Die 91 Prozent sind eine Unternehmensangabe ohne offengelegte Vergleichsrechnung, und was als Referenzproduktion angesetzt wurde, steht nicht dabei. Die Testergebnisse zur Wahrnehmung stammen ebenfalls von Samsung.

Quelle: LBBOnline

AstraZeneca wirbt mit Lamas statt mit Pharma-Klischees

Für den Asthma-Inhalator Breztri entstanden vollständig KI-generierte Spots, in denen Lamas, Ziegen und Antilopen wie Menschen im Büro arbeiten. Die Idee nutzt ein Wortspiel: LAMA steht zugleich für „Long Acting Muscarinic Antagonist“, einen Bestandteil der Therapie. Die Agentur Edelman setzte bewusst auf Humor und hohe Wiedererkennbarkeit, KI ermöglichte dabei viele Varianten und Takes ohne reale Tiere oder aufwendige Drehs. Die Kampagne läuft auf YouTube, Social Media und Connected TV.

Hier trägt KI nicht nur die Produktion, sondern die Idee selbst: Die Motive wären mit echten Tieren kaum in dieser Form umsetzbar gewesen. Pharma-Werbung ist zudem stark reguliert, was die Wahl eines bildstarken Umwegs erklärt. Über Reichweite oder Wirkung ist nichts veröffentlicht.

Quelle: MediaPost

Mastercard mischt Realdreh, KI und VFX in einem Workflow

Gemeinsam mit McCann Poland, Regisseur Tadeusz Śliwa und AIO Post entstanden Live-Action-Aufnahmen, KI-generierte Bildelemente und klassische Postproduktion innerhalb eines gemeinsamen Produktionsprozesses. Entscheidend war dabei nicht ein einzelnes Werkzeug, sondern die Frage, welche Elemente real gedreht, mit KI erzeugt oder durch CGI und VFX ergänzt werden.

Das ist die unspektakulärste und vermutlich realistischste Variante: KI als ein Posten in der Produktionsplanung neben Kamera, Schnitt und Effekten. Kostenangaben oder Zeitersparnisse nennt die Quelle nicht.

Quelle: LBBOnline

BASF skaliert eine einzige Bildidee zur Kampagne

Für das Herbizid Voraxor entwickelten Global Prairie und das GenAI-Studio Made by Humans eine vollständig generativ produzierte Kampagne. Ausgangspunkt war ein Hero-Motiv: ein riesiger Fußabdruck mitten auf einem amerikanischen Feld. Daraus entstand eine komplette Monsterfilm-Welt mit 60-Sekunden-Film, Cutdowns, fünf Hero-Motiven für Außenwerbung, Print und Digital sowie animierten GIFs. Eingesetzt wurden mehrere Modelle, darunter Nano Banana, Seedance Pro sowie Kling o1, 2.6 und 3.0.

Der Fall zeigt einen professionellen Multi-Tool-Workflow statt der Nutzung eines einzelnen Bildgenerators. Das ist der Unterschied zwischen Ausprobieren und Produktion: Jedes Modell übernimmt, was es am besten kann. Wer alt genug ist, sich an BASF-Kassetten zu erinnern, wird den Markennamen ohnehin nie mit Monsterfilmen verbunden haben.

Quelle: Shots, „Made by Humans goes big for BASF Voraxor“

LG Signature plant den Werbedreh mit KI vor

Die Produktionsgruppe Wellcom erstellte mit KI vollständige Animatics, um Kamerawinkel, Bewegungen, Darstellerführung, Setdesign, Einstellungen und Übergänge vorab zu visualisieren. Dadurch ließ sich früh sehen, wie der spätere Werbefilm wirken könnte, und Kampagnenidee wie Gestaltung konnten vor der Produktion in Markttests geprüft werden. Den realen Dreh ersetzte die KI nicht.

Das ist einer der praktisch nützlichsten Fälle der Sammlung, weil er nichts Sichtbares verändert. Der Nutzen liegt in der Vorbereitung: Entscheidungen fallen früher und mit besserer Grundlage, bevor Drehtage Geld kosten. Belastbare Angaben zur Ersparnis fehlen auch hier.

Quelle: LBBOnline

New Holland zeigt vier Jahreszeiten ohne Jahresdreh

Im 30-Sekunden-Spot „Season After Season“ bleiben reale Landmaschinen präzise dargestellt, während sich ihre Umgebung permanent verändert: Sonne wird zu Regen, Felder wechseln ihre Farbe, Tiere erscheinen, Jahreszeiten gehen ineinander über. Produziert wurde der Film aus klassischer Fotografie, realen Maschinen und echten Motorengeräuschen, kombiniert mit KI-generierten Elementen. Eine vergleichbare Inszenierung wäre laut Produktion mit einem rein klassischen Dreh logistisch schwierig und deutlich teurer gewesen.

Die Arbeitsteilung ist hier besonders klar: Das Produkt bleibt echt, die Welt drumherum wird erzeugt. Für Marken mit erklärungsbedürftigen physischen Produkten ist das ein übertragbares Muster. Die Aussage zu Aufwand und Kosten kommt von der Produktionsfirma.

Quelle: Campaign Brief

Parle begleitet einen Produktlaunch mit KI-Film

Zur Einführung der kleineren Cookie-Variante Hide & Seek Milano Mini’s setzt die Kampagne „Bite Size Indulgence“ auf einen KI-gestützten Werbefilm. Die visuelle Geschichte greift das kleine Produktformat und das Thema Genuss im Alltag auf und richtet sich gezielt an jüngere Zielgruppen.

Anders als bei den experimentelleren Fällen steht hier nicht die Technologie im Mittelpunkt, sondern das Produkt. Genau das macht den Fall repräsentativ: KI rückt in die normale Produkteinführung ein und wird dabei nicht mehr eigens erwähnt.

Quelle: Impact

Primo erweitert die Kampagne über Social Media

Die Kampagne „Hello Flavour“ für eine neue Air-Dried-Jerky-Reihe kombiniert klassische Werbung mit KI-gestützten Social-Media-Inhalten. Im Mittelpunkt stehen Geschmacksrichtungen, die jeweils mit eigenen kulturellen Motiven inszeniert werden, für Teriyaki etwa „Konnichiwa Flavour“, für BBQ „Howdy Flavour“. Die Kampagne läuft über TV, Social Media und Außenwerbung.

KI ersetzt hier nicht die Hauptproduktion, sondern liefert die Variantenvielfalt, für die sich ein klassischer Dreh nicht rechnet. Das ist die naheliegendste Anwendung im Alltag von Markenteams und zugleich die am wenigsten diskutierte.

Quelle: Campaign Brief

KI als Kampagnenidee

In dieser Gruppe ist KI nicht das Werkzeug, sondern das Thema. Die Marken erzählen etwas über KI, oder sie nutzen aus, was nur mit KI möglich ist.

s.Oliver lässt Heidi Klum ihr KI-Ich treffen

Für die Kampagne „Casual since Forever“ trifft Heidi Klum auf ihr jüngeres Ich aus den 1990er-Jahren. Diese zweite Version wurde mit künstlicher Intelligenz erzeugt und nicht von einer jüngeren Darstellerin gespielt. Entwickelt hat die Kampagne Jung von Matt. Welche KI-Werkzeuge und welches Archivmaterial für die digitale Version genutzt wurden, ist nicht veröffentlicht.

Der Fall ist vor allem rechtlich und vertraglich interessant: Eine bekannte Person wird in mehreren Lebensaltern gleichzeitig eingesetzt. Wie solche Rechte geregelt werden, wird in den nächsten Jahren mehr Marketingteams beschäftigen als die Frage, welches Modell die besseren Bilder erzeugt.

Quelle: Marketing Newsroom

SNICKERS erklärt KI-Fehler mit dem eigenen Markenclaim

Die Kampagne „Hungr.AI“ überträgt den seit Jahrzehnten bekannten Claim „You’re Not You When You’re Hungry“ auf generative KI und deutet Fehler von Chatbots spielerisch als hungrige Momente. US-Nutzer konnten über Reddit oder Snapchat mit der Aktion interagieren und anschließend einen kostenlosen SNICKERS über DoorDash erhalten. Die Aktion lief vom 31. August bis zum 20. September 2026.

Statt die Marke für KI neu zu erfinden, wird KI in eine bestehende Markenidee eingebaut. Dass ein aktuelles Technikphänomen sich so bruchlos an einen alten Claim anschließen lässt, ist der eigentliche Punkt, und er spricht eher für die Qualität des Claims als für die der KI.

Quelle: FB Industry News

Legora macht Fokus zur Botschaft

Das schwedische Legal-Tech-Unternehmen bewirbt seine KI-Plattform mit Baseballstar Aaron Judge. Die Kampagne „Focus where it matters most“ nutzt dessen Fähigkeit, beim Schlag alles Unwichtige auszublenden, als Metapher für juristische Arbeit. Visuell greift sie die Strike Zone auf: Der Bildausschnitt wird immer enger, bis nur noch das Wesentliche sichtbar bleibt. Die Kampagne läuft über TV, Online-Video, Social Media und Außenwerbung in New York.

Verkauft wird nicht Automatisierung, sondern zurückgewonnene Aufmerksamkeit. Für Anbieter, deren Zielgruppe Angst vor Ersetzbarkeit hat, ist das die deutlich tragfähigere Erzählung, und sie kommt ohne jedes Produktbild aus.

Quelle: MarComm News

ixigo bewirbt den KI-Reiseassistenten gegen den Herdentrieb

Die indische Reiseplattform bewirbt ihren KI-Reiseassistenten TARA mit der Kampagne „Don’t follow the herd“. Der Film zeigt Urlauber mit Schafsköpfen, die alle denselben überfüllten Strand besuchen, als Bild für Reiseentscheidungen, die sich an Trends statt an persönlichen Interessen orientieren. Ein Reisender nutzt TARA und erhält eine ruhigere Alternative.

Beworben wird kein technisches Merkmal, sondern ein persönlicher Nutzen. Das ist bei KI-Produkten noch immer die Ausnahme, obwohl es die einzige Art ist, wie Menschen sonst über Produkte entscheiden.

Quelle: Impact

Canva zeigt KI-Funktionen im Reality-TV-Format

Canva startet seine bislang größte Markenkampagne in Indien. Bekannte TV-Persönlichkeiten wie Farah Khan, Raghu Ram und Terence Lewis greifen typische Reality-TV-Formate auf. Im Mittelpunkt stehen konkrete KI-Funktionen der Plattform: „Magic Video 2.0″, KI-gestützte Präsentationen und „Canva Pro Lite“. Die Botschaft richtet sich ausdrücklich nicht nur an Designer, sondern an Kreative, Berufstätige und kleine Unternehmen.

Bemerkenswert ist die Selbstverständlichkeit: KI wird nicht als Innovation vorgeführt, sondern als Funktion beworben, so wie früher eine Vorlagenbibliothek. Das ist ein Reifezeichen und übrigens auch ein Hinweis darauf, wo der Markt in Deutschland noch nicht steht.

Quelle: ET BrandEquity

Meta bringt einen KI-Agenten ins US-Fernsehen

Meta bewirbt laut BRNDWIRE seinen persönlichen KI-Agenten „Muse“ erstmals im US-Fernsehen. Der Spot erklärt bewusst keine technischen Funktionen: Während eine Frau ein Abendessen vorbereitet, erledigt Muse im Hintergrund E-Mails, verschiebt Termine und kauft Schulartikel. Laut Artikel verbindet sich Muse unter anderem mit E-Mail, Kalender, Zahlungsmitteln, Spotify, Instagram und OpenTable.

Der Unterschied zum klassischen Chatbot wird hier zum Werbeargument: Ein Agent beantwortet nicht nur Fragen, sondern nutzt verbundene Dienste und führt Aufgaben aus. Wie zuverlässig das in der Praxis funktioniert, zeigt ein Werbespot naturgemäß nicht.

Quelle: BRNDWIRE

Psycho Bunny führt KI-Werbung direkt in den Shop

Die südafrikanische Kampagne „The Bunny Was Here“ verbindet KI-generierte Werbung direkt mit dem Verkauf. Vier Kurzfilme und 16 digitale Anzeigen zeigen reale Produkte in surreal inszenierten Orten wie Camps Bay oder Umhlanga. Entscheidend: Die KI verändert die Umgebung, nicht das Produkt. Farben, Texturen, Nähte und Branding sollen dem tatsächlich kaufbaren Kleidungsstück entsprechen. Die Anzeigen führen zu vier Shopping-Seiten.

Damit ist das einer der wenigen Fälle, in denen KI-Kreativität und Conversion in einem Ablauf zusammenkommen. Die Regel „Umgebung generiert, Produkt echt“ löst nebenbei das Problem, an dem KI-Produktbilder im Handel sonst scheitern: Was geliefert wird, muss aussehen wie beworben.

Quelle: Bizcommunity

KI-Agenten übernehmen Arbeitsschritte

Hier verschiebt sich KI vom Assistenzsystem zum ausführenden Werkzeug. Systeme beantworten nicht nur Fragen, sondern lösen Arbeitsschritte aus. Genau deshalb wird in dieser Gruppe auffallend oft über Kontrolle gesprochen.

REWE orchestriert Prozesse mit KI-Agenten

REWE Digital nutzt Camunda, um komplexe Prozesse in Warenwirtschaft und Logistik zentral zu steuern. Die Plattform verbindet bestehende Microservices, Fachbereiche und IT über ein gemeinsames Prozessmodell. Künftig sollen auch KI-Agenten in diese Abläufe eingebunden werden. Entscheidend ist dabei nicht nur Automatisierung, sondern Kontrolle: Für REWE als Betreiber kritischer Infrastruktur sind Nachvollziehbarkeit, Auditierbarkeit und die freie Wahl von KI-Modellen zentral.

Der Fall zeigt KI-Agenten nicht isoliert, sondern eingebettet in bestehende Geschäftsprozesse. Für Marketingteams ist das die weniger glamouröse, aber wahrscheinlichere Zukunft: Der Agent taucht nicht als neues Werkzeug auf, sondern als Schritt in einem Prozess, der schon vorher da war. Auf diesen Fall hat mich ein Teilnehmer aus meinem KI-Kurs aufmerksam gemacht.

Quelle: CIO

Otto macht KI zum Einkaufsberater

Otto setzt KI längst nicht nur für Texte oder Bilder ein, rund 75 KI-Anwendungen sind produktiv im Einsatz, unter anderem für Prognosen, Logistik, Suche, Empfehlungen, Kundenservice und Produktberatung. Besonders sichtbar wird der Wandel beim Shopping: Eine KI-Beratung unterstützt bei der Produktauswahl und kann auch per Sprache genutzt werden. Laut Otto liegt der Bestellwert bei Nutzung dieses Sprachmodus mehr als 40 Prozent über dem der klassischen Suche. Gleichzeitig bereitet sich das Unternehmen auf Agentic Commerce vor, also Einkäufe, bei denen KI-Agenten Aufgaben oder Kaufprozesse übernehmen. Die interne KI-Plattform heißt ogGPT.

Die 40 Prozent sind eine Unternehmensangabe und vermutlich stark durch Selbstselektion geprägt: Wer den Sprachmodus für eine Beratung nutzt, hat oft ohnehin ein größeres oder erklärungsbedürftigeres Vorhaben. Interessanter als die Zahl ist die Haltung dahinter, KI ausdrücklich als eigene technologische Kernkompetenz zu behandeln statt als eingekaufte Funktion. Auch dieser Fall kam als Hinweis aus meinem Kurs.

Quelle: E-Commerce Magazin

Magnite und Amnet lassen KI-Agenten CTV-Werbung buchen

Statt Kampagneneinstellungen, passende Werbeplätze und Deals manuell festzulegen, beschrieb das Team seine Anforderungen über natürliche Sprache. Ein Einkaufs-Agent suchte gemeinsam mit einem Verkaufs-Agenten passende Werbeplätze und aktivierte die Kampagne. Laut Magnite sank die benötigte Einrichtungszeit dadurch um rund 70 Prozent, die Kampagne für einen nicht genannten Automobilhersteller erreichte eine View-Through Rate von 95 Prozent.

Damit übernehmen KI-Agenten erstmals konkrete Arbeitsschritte beim programmatischen Einkauf von CTV-Werbung in EMEA. Beide Zahlen stammen von Magnite, und die 95 Prozent View-Through Rate sagen bei CTV wenig aus, weil dort kaum weggeklickt werden kann. Die eingesparte Einrichtungszeit ist die relevantere Größe.

Quelle: GlobeNewswire

Raspberry AI führt Agenten von der Trendanalyse bis in den Shop

Raspberry AI verbindet mehrere Schritte der Modeentwicklung in einem durchgängigen KI-Workflow: von Trendanalyse und Moodboards über Design und technische Entwürfe bis zu Lookbooks, Kampagnen und E-Commerce-Inhalten. Ein Team kann beispielsweise mit „Erstelle eine Herren-Denim-Kollektion für Herbst 2027″ starten, KI-Agenten entwickeln daraus verschiedene Arbeitsschritte weiter, während Fachkräfte Ergebnisse prüfen und steuern. Unternehmen wie Walmart, Beyond Yoga, Steve Madden und Oscar de la Renta nutzen die Plattform bereits. Laut Anbieter erreichen Kunden eine zwei- bis fünfmal schnellere Markteinführung.

Interessant ist die Reichweite über die gesamte Wertschöpfungskette statt über einzelne Aufgaben. Die Geschwindigkeitsangabe kommt vom Anbieter, die genannten Marken belegen Verbreitung, aber keine Ergebnisse.

Quelle: Unternehmensmitteilung

Attentive lässt agentische KI die Kundenansprache steuern

Die Marketingplattform erweitert „AI Pro“ um Funktionen, die Kundensignale automatisch auswerten: Produktinteressen, Kaufhäufigkeit, Umsatz und langfristiger Kundenwert. Die agentische KI kann daraus Zielgruppen laufend aktualisieren und die Ansprache an das Verhalten einzelner Kunden anpassen. Ein „Reporting Agent“ lässt sich in natürlicher Sprache zu Kampagnenergebnissen befragen, über das Model Context Protocol können externe KI-Systeme wie ChatGPT und Claude angebunden werden. Laut Attentive erzielte die Schuhmarke Frye mit der Suite einen Umsatzanstieg von 13 Prozent.

Die MCP-Anbindung ist der unterschätzte Teil: Marketingdaten werden damit für Systeme abfragbar, die nicht vom Plattformanbieter stammen. Der Umsatzanstieg ist eine Anbieterangabe über einen Anbieterkunden, ohne Vergleichszeitraum oder Kontrollgruppe.

Quelle: Unternehmensmitteilung

HubSpot lässt das CRM sich selbst pflegen

HubSpot erweitert seine Plattform um den „Breeze Assistant“ und ein selbstaktualisierendes Smart CRM. Das System kann Informationen aus E-Mails, Anrufen und Meetings automatisch erfassen und synchronisieren, der Assistent nutzt diesen Kontext, um Aufgaben zu automatisieren und spezialisierte KI-Agenten einzusetzen. Mit „Context Home“ sollen Unternehmen zusätzlich erkennen, wo wichtige Daten fehlen.

Damit verändert sich die Rolle des CRM: Statt Informationen nur zu speichern, soll es Daten selbst pflegen und daraus Aktionen anstoßen. Wer schon einmal ein CRM eingeführt hat, weiß, dass die Datenpflege immer das Problem war und nie die Software. Ob eine automatische Erfassung sauberer arbeitet als gut geschulte Menschen, wird sich erst in den Datenbeständen zeigen.

Quelle: CMSWire

Lyberate automatisiert Kampagnen über mehrere Kanäle

Lyberate startet ein „AI Operating System“ für Marketing und Vertrieb. Die Plattform soll den Weg von der Kampagnenidee bis zur Ausspielung automatisieren: Inhalte erstellen, wiederverwenden, an unterschiedliche Kanäle anpassen, Freigaben koordinieren und Kampagnen optimieren. Unterstützt werden unter anderem WhatsApp, RCS, E-Mail und Social Media. Erste Kundeneinsätze sollen Kampagnenprozesse von Wochen auf Stunden oder wenige Tage verkürzt haben.

Der Anspruch ist groß und die Belege sind dünn: Die Zeitangabe stammt aus einer Pressemitteilung ohne benannte Kunden. Der Begriff „Operating System“ für Marketingsoftware taucht derzeit auffällig oft auf und beschreibt meist eine Arbeitsablauf-Automatisierung mit KI-Schicht.

Quelle: PA Media Press Release Hub

Daten, Performance und Sichtbarkeit in KI-Systemen

Die letzte Gruppe betrifft nicht die Werbung selbst, sondern das, was vorher und nachher passiert: messen, aussteuern und in KI-Antworten überhaupt vorkommen.

NBCUniversal analysiert, was Werbung wirksam macht

Mit der „Creative Ad Engine“ analysiert NBCUniversal zehntausende Werbespots, um Muster erfolgreicher Werbung zu erkennen. Ein Ergebnis: Wird die Marke bereits innerhalb der ersten fünf Sekunden gezeigt, war die gemessene Werbeerinnerung 2,8-mal höher. Auch der Kontext spielte eine Rolle, passte eine bekannte Person im Spot zum ausgespielten Inhalt, stieg die Erinnerung an die Werbebotschaft laut NBCUniversal um 49 Prozent. Die Erkenntnisse lassen sich bereits vor Veröffentlichung eines Spots nutzen, sogar bei Storyboards.

Damit wird KI nicht nur zur Erstellung, sondern zur datenbasierten Optimierung von Werbung eingesetzt. Beide Befunde bestätigen allerdings, was die Werbewirkungsforschung seit Jahrzehnten sagt, und sie stammen aus dem Inventar eines Vermarkters, der ein Interesse an starker Markenpräsenz in Spots hat.

Quelle: Beet.TV

Taboola will Kaufabsicht aus Verhaltenssignalen erkennen

„Realize ID“ führt Signale aus unterschiedlichen Stationen der Customer Journey zusammen: gelesene Inhalte, Scrolltiefe, Verweildauer, Anzeigeninteraktionen, Suchbegriffe und Conversion-Daten. KI-Modelle sollen daraus erkennen, wann Nutzer eine konkrete Kaufabsicht entwickeln. Laut Taboola konnte die Conversion-Effizienz in bisherigen Anwendungen um bis zu Faktor 2,4 steigen.

Der Ansatz verschiebt Performance Marketing von Zielgruppen in Richtung erkennbarer Kaufabsichten. „Bis zu Faktor 2,4″ ist eine Anbieterangabe mit Bestwertcharakter, und wie sich das Ganze zu den Einschränkungen beim Tracking verhält, bleibt in der Mitteilung offen.

Quelle: GlobeNewswire

BrandPilot AI meldet einen Praxisfall zur Optimierung von Branded Search: Bei einer nicht genannten internationalen Luxusmarke analysiert die Technologie bezahlte Suchanzeigen auf markenbezogene Suchbegriffe. Im US-Programm weist BrandPilot für April bis September 2026 eine „Recovery Rate“ von 73 Prozent aus, also den Anteil der verwalteten Werbeausgaben, den die Plattform als vermeidbar identifiziert hat. Nach dem US-Test wurde der Einsatz auf Großbritannien, Schweden und Frankreich erweitert.

Die Frage dahinter ist alt und unbequem: Zahlt eine Marke für Klicks, die sie über das organische Ergebnis ohnehin bekommen hätte? Die 73 Prozent stammen aus Unternehmensdaten von BrandPilot und sind nicht auf andere Werbekonten übertragbar. Als identifizierter Anteil ist das außerdem noch keine realisierte Einsparung.

Quelle: Newsfile

Estée Lauder führt GEO für das gesamte Markenportfolio ein

Gemeinsam mit der Plattform Profound analysiert der Konzern, wie Marken in ChatGPT, Gemini und anderen KI-Systemen dargestellt und empfohlen werden. Auf dieser Basis sollen Produktseiten, Blogs und YouTube-Inhalte so optimiert werden, dass KI-Systeme Produktinformationen, Inhaltsstoffe, Aussagen und Vorteile besser verstehen und aufgreifen können.

Bemerkenswert ist der Maßstab: GEO wird nicht als einzelner SEO-Test behandelt, sondern global über das gesamte Markenportfolio operationalisiert. Damit verlässt das Thema die Experimentierphase und wird zur Linienaufgabe, mit Budget, Zuständigkeit und Berichtspflicht.

Quelle: Yahoo Finance

PeakMetrics macht GEO zur Reputationsfrage

„AI Perceptions“ untersucht, wie Marken in Antworten von ChatGPT, Gemini, Claude, Grok und Perplexity dargestellt werden. Erfasst werden unter anderem Tonalität, zentrale Botschaften, Vertrauen und Wettbewerbsposition. Zusätzlich analysiert das System, welche Nachrichten, Social-Media-Diskussionen, Quellen und Narrative diese KI-Antworten beeinflussen. Veränderungen lassen sich über Zeit beobachten und mit Wettbewerbern vergleichen.

Damit erweitert sich GEO: Neben der Sichtbarkeit in KI-Antworten wird relevant, wie eine Marke dort dargestellt wird. Das rückt das Thema aus dem Marketing in Richtung Kommunikation und Krisenvorsorge, und es ist die logische Fortsetzung dessen, was Estée Lauder gerade operativ aufbaut.

Quelle: GlobeNewswire

Was sich aus den 27 Beispielen ableiten lässt

Zwei Drittel der Fälle drehen sich um Produktion und Kreation, ein Drittel um Systeme, die im Hintergrund arbeiten. Der Unterschied zu den Vormonaten liegt im zweiten Teil: Agenten, Plattformen und Messsysteme waren im Juni und Juli Randnotizen, im September stellen sie ein Drittel der Sammlung.

  • Die Produktion wird hybrid, nicht generativ. Mastercard, New Holland, LG Signature und Psycho Bunny mischen bewusst reale Aufnahmen mit erzeugten Elementen. Der Satz „vollständig mit KI produziert“ wird seltener, und das ist ein Fortschritt.
  • KI wandert von der Kampagne in den Prozess. REWE, Otto und HubSpot sprechen nicht über Werbemittel, sondern über Warenwirtschaft, Beratung und Datenpflege. Für Marketingteams heißt das, dass die nächsten KI-Entscheidungen oft gar nicht im Marketing getroffen werden.
  • Kontrolle wird zum Verkaufsargument. Nachvollziehbarkeit bei REWE, menschliche Prüfung bei Raspberry AI, Freigabeprozesse bei Lyberate: Wer Agenten verkauft, verkauft inzwischen die Bremse gleich mit.
  • GEO ist keine Testdisziplin mehr. Estée Lauder rollt es über das gesamte Portfolio aus, PeakMetrics erweitert es um Reputation. Wer im Marketing für Sichtbarkeit zuständig ist, bekommt damit eine zweite Suchlandschaft auf den Tisch.
  • Die Zahlenlage bleibt schwach. Von 27 Fällen nennen acht überhaupt Leistungswerte, und sieben davon stammen vom Anbieter oder vom werbenden Unternehmen selbst. Keine einzige Angabe in dieser Sammlung ist unabhängig geprüft.

Für die Praxis ist der letzte Punkt der wichtigste. Diese Beispiele taugen dazu, Möglichkeiten zu sehen und die eigene Arbeit einzuordnen. Als Beleg dafür, dass KI Marketing messbar besser macht, taugen sie nicht, und wer sie in einer internen Präsentation so verwendet, wird beim ersten kritischen Nachfragen Probleme bekommen.

Übersicht der Foliensammlung mit KI-Marketing-Fallbeispielen aus dem Kursmaterial
In unserem MOD education KI-Kurs bieten wir dazu auch umfangreiches Material in einer Bonus Live Session an. Ein Klick auf das Bild öffnet die Detailansicht in einem neuen Tab.

Alle Angaben geben den Stand der jeweiligen Veröffentlichung im September 2026 wieder.

Weitere Grundlagen, Einsatzfelder und Grenzen ordne ich auf der Seite KI im Marketing ein.

Weitere aktuelle Praxisfälle, Best Cases und Fallbeispiele

Jeden Monat sammle ich aktuelle Beispiele dafür, wie Unternehmen KI im Marketing tatsächlich einsetzen, jeweils mit Quellenangabe und Einordnung. Alle Fälle aus allen Monaten im Überblick