Sieben aktuelle Beispiele zeigen, wie unterschiedlich Unternehmen KI im Marketing einsetzen. Im August 2026 reichte das Spektrum von 600 lokalisierten Kampagnenvarianten über vollständig KI-produzierte Werbefilme bis zur Optimierung für KI-Suchsysteme. Gemeinsam ist den Fällen vor allem eines: Die interessanten Fragen beginnen dort, wo die Pressemitteilung aufhört.

Die Beispiele stammen überwiegend aus Fachmedien der Werbe- und Marketingbranche. Viele Angaben gehen auf Aussagen der beteiligten Marken oder Agenturen zurück. Das macht sie als Beobachtung aktueller Arbeitsweisen interessant, aber noch nicht zu unabhängigen Wirksamkeitsnachweisen.

Für meine Übersicht zu KI im Marketing trenne ich deshalb zwischen dem dokumentierten Einsatz, der möglichen Bedeutung für Marketingteams und den Grenzen der jeweiligen Quelle.

Übersicht mit sieben aktuellen KI-Marketing-Beispielen aus August 2026
Die Beispiele aus August 2026 reichen von generativer Kampagnenproduktion bis zur Optimierung von Produktinformationen für KI-Systeme. Hier beispielhaft ein paar Slides aus meinem KI-Kurs.

Xero produziert 600 Varianten für acht Märkte

Die Buchhaltungsplattform Xero und die Agentur Argonaut produzierten innerhalb von acht Wochen mehr als 600 Kampagnenvarianten für acht Märkte. Mit einer KI-gestützten Produktionsstrecke passten die Teams unter anderem Darsteller, Akzente, Ladenfronten und Produktdetails an lokale Gegebenheiten an.

Für internationale Kampagnen ist das ein plausibler Einsatz: Eine zentrale Idee bleibt erhalten, während deutlich mehr lokale Fassungen entstehen können. Die veröffentlichte Zahl misst allerdings nur den Produktionsumfang. Ob die Varianten mehr Aufmerksamkeit, bessere Markenwerte oder zusätzliche Abschlüsse erzeugten, ist nicht bekannt. Xero selbst betont zudem, dass reale Kundenstimmen weiterhin Teil der Kommunikation bleiben sollen.

Donut King holt eine alte Markenfigur mit KI zurück

Donut King stellte seine seit 1981 bekannte Figur Buddy in den Mittelpunkt einer neuen Kampagnenplattform. Nach Angaben der beteiligten Agentur Thinkerbell entstand die Produktion vollständig mit KI. Buddy wurde für Video, Social Media, Außenwerbung und digitale Audioformate eingesetzt.

Der Vorteil liegt weniger in der bloßen Verwendung von KI als im vorhandenen Markenmaterial. Buddy bringt Geschichte, Wiedererkennbarkeit und einen Bezug zum Sortiment mit. Dadurch hat die Produktion einen Ausgangspunkt, den ein beliebiger KI-Charakter nicht besitzt. Die Quelle beschreibt die Kampagne und zitiert Marke sowie Agentur, nennt aber keine Ergebnisse zur Wirkung.

Motorola lässt zwei Werbefilme vollständig mit KI produzieren

Motorola India veröffentlichte zwei Werbefilme für das Edge 70 Max und das Moto G Max, die das Unternehmen als zu 100 Prozent KI-produziert bezeichnet. Figuren, Bildwelten und filmische Szenen entstanden demnach mit generativer KI. Die Produktargumente bleiben klassisch: Leistung, Display, Akku, Design und Kamera.

Der Fall dokumentiert, dass generative Produktion inzwischen ganze Filme abdecken kann. Er sagt wenig darüber aus, ob das Ergebnis günstiger, schneller oder erfolgreicher war als eine konventionelle Produktion. Auch Angaben zu eingesetzten Modellen, Nachbearbeitung und Qualitätskontrolle fehlen. Die Formulierung „100 Prozent KI-produziert“ stammt vom Unternehmen und ist keine technische Dokumentation des Arbeitsablaufs.

MINI erweitert vorhandene Kampagnenassets

MINI UK entwickelte die bereits laufende Kampagne „Out of This World Offers“ weiter. Das KI-Studio SILVERSIDE ergänzte vorhandene globale Motive um Alien-Figuren und neue Szenen. Die erweiterte Fassung lief unter anderem im Fernsehen, in sozialen Medien, auf digitalen Außenflächen und in Displayformaten.

Für Marketingteams ist dieser Ansatz oft realistischer als die komplett neue KI-Kampagne. Vorhandene Assets werden weiterverwendet und für einen zusätzlichen Kampagnenabschnitt angepasst. Wie groß die Zeit- oder Kostenersparnis tatsächlich war, veröffentlicht die Quelle nicht. Belegt ist der Produktionsweg, nicht seine wirtschaftliche Überlegenheit.

Fanta entwickelt mit einem KI-Studio eine eigene Horrorwelt

Fanta wechselte für Halloween von Kooperationen mit bekannten Horror-Franchises zu einer eigenen Figuren- und Geschichtenwelt. Gemeinsam mit dem KI-Entertainment-Studio GRAiL entstanden vier Charaktere, ein Trailer und die Grundlage für weitere Inhalte und Erlebnisse. Laut Fanta war der kreative Prozess menschlich geführt; die Technik half bei Konzeptentwicklung und visueller Umsetzung.

Hier dient KI nicht nur der Produktion einzelner Werbemittel. Sie unterstützt den Aufbau von geistigem Eigentum, das die Marke über mehrere Formate nutzen will. Ob aus dem Trailer wirklich eine tragfähige Markenwelt entsteht, lässt sich im August noch nicht bewerten. Dafür bräuchte es Reichweiten, Wiedererkennung und eine Nutzung der Figuren über die erste Halloween-Saison hinaus.

Stanley bereitet Produktinformationen für KI-Suche auf

Stanley 1913 ergänzt seine stark visuell geprägte Markenkommunikation um ausführlichere Produktinformationen. Dazu gehören FAQs, Pflegehinweise und Nutzungsszenarien zu Themen wie Reisen, Fitness, Geschenke oder Flüssigkeitsversorgung. Zusätzlich testet das Unternehmen strukturierte Daten und Googles Universal Commerce Protocol. Die Marke untersucht außerdem, in welchen KI-Antworten sie erscheint und welche Drittquellen dort zitiert werden.

Dieser Fall unterscheidet sich deutlich von den Produktionsbeispielen. Es geht um die Frage, ob Such- und Empfehlungssysteme genügend konkrete Informationen über Produkte finden. Schöne Kampagnenbilder helfen einem Sprachmodell wenig, wenn Anlässe, Vorteile und Pflege nicht in Text und Daten beschrieben sind. Stanley veröffentlicht bislang keine Entwicklung von Erwähnungen, Zitierungen oder Verkäufen über KI-Systeme. Dokumentiert ist die organisatorische und technische Vorbereitung.

Clarks gibt dem Algorithmus mehr Conversion-Daten

Clarks und die Agentur Tinuiti fassten zwei bis drei Microsoft-Performance-Max-Kampagnen zu einer zentralen Kampagne zusammen. Produktfeed, Zielgruppensignale für Neukunden und Retargeting sowie eine schrittweise Budgeterhöhung lieferten dem System mehr Daten für die Optimierung.

Microsoft berichtet von 22 Prozent mehr Bestellungen bei sechs Prozent weniger Werbeausgaben. Die Conversion-Rate sei um zehn Prozent und der ROAS um 25 Prozent gestiegen; der CPC sei um 15 Prozent gesunken. Das ist der einzige Fall dieser Auswahl mit konkreten Leistungswerten. Die Zahlen stammen allerdings aus einer Microsoft-Kundenstudie über einen Microsoft-Advertising-Kunden. Eine Vergleichsgruppe, genaue Laufzeit oder Angaben zu saisonalen Einflüssen werden nicht ausgewiesen.

Was sich aus den sieben Beispielen ableiten lässt

Fünf der sieben Fälle beschäftigen sich vor allem mit kreativer Produktion. Unternehmen erzeugen mehr Varianten, verlängern vorhandene Kampagnen oder bauen neue Bildwelten auf. Die Strategie kommt weiterhin von Menschen, Markenmaterial und Produktpositionierung geben die Richtung vor.

  • KI skaliert gute Ausgangsmaterialien leichter als sie fehlende Markenidentität ersetzt.
  • Eine hohe Zahl produzierter Assets ist noch kein Beleg für bessere Marketingwirkung.
  • Bei KI-Suche werden konkrete Produktinformationen, strukturierte Daten und vertrauenswürdige Drittquellen wichtiger.
  • Automatisierte Kampagnen brauchen genügend hochwertige Daten. Zu starke Segmentierung kann das Lernen des Systems behindern.
  • Bei veröffentlichten Erfolgszahlen gehört die Quellenart immer zur Bewertung.

Die Fälle liefern damit keine allgemeine Antwort darauf, ob KI Werbung besser macht. Sie zeigen konkrete Stellen, an denen Marketingteams ihre Produktion, Datenbasis oder Auffindbarkeit verändern. Genau diese Unterscheidung ist für die praktische Arbeit nützlicher als eine weitere Sammlung spektakulärer KI-Motive.

Quellen

Weitere Grundlagen, Einsatzfelder und Grenzen ordne ich auf der Seite KI im Marketing ein.