Gastbeitrag im Interview: Sandro Wittkopp

Titelbild der PromptPower-Serie Kurs. Praxis. Profil. mit Sandro Wittkopp im Interview
Sandro Wittkopp im Interview, Folge 2 der Serie Kurs. Praxis. Profil.

In meiner Reihe „Kurs. Praxis. Profil.“ frage ich Menschen, die eine KI-Weiterbildung gemacht haben, wie es bei ihnen weitergegangen ist: was geholfen hat, was nicht und was sie anderen raten würden. Alle bekommen vier Fragen. Den Anfang hat Sebastian Geiger gemacht.

In Folge 2 ist Sandro Wittkopp zu Gast. Er ist Vollblut-Marketer mit über 15 Jahren Erfahrung im digitalen Marketing, von SEO bei home24 bis zur Marketingleitung im Handel und E-Commerce. Von August bis September hat er bei MOD education die Weiterbildung „Full-Funnel Digital Marketing und Content Creation mit AI“ besucht, zu der auch unser SEO- und KI-Kurs gehören. Parallel hat er das IHK-Zertifikat „KI-Anwender/-in im Online-Marketing“ gemacht und beim KI-Campus Kurse zu KI-Ethik und zum EU AI Act abgeschlossen. Was mich an seinen Antworten besonders interessiert: Sandro denkt KI nicht nur als Werkzeug, sondern als Frage an die Organisation.

Wann hast du gemerkt, dass KI für dich mehr wird als ein interessantes Werkzeug?

Die ersten Impulse und Möglichkeiten habe ich aus meinem Marketingnetzwerk erhalten. Seit Mitte 2024 beschäftige ich mich damit, KI nicht nur im Alltag einzusetzen, sondern gezielt im Arbeitskontext.

Anfänglich ging es eher um einfache Aufgaben wie E-Mails erstellen, Zusammenfassungen schreiben oder Präsentationen strukturieren. Also vor allem darum, das Leere-Blatt-Syndrom zu vermeiden und schneller ins Arbeiten zu kommen.

Mit der Zeit habe ich aber gemerkt, dass KI für mich deutlich mehr sein kann als ein reines Produktivitätswerkzeug. Als Head of Marketing bin ich eher Generalist. Mit KI kann ich heute sehr viel schneller in einzelne Themen in den Deep Dive gehen und beispielsweise Performanceanalysen durchführen, Zusammenhänge hinterfragen oder unterschiedliche Perspektiven einnehmen.

Spätestens da wurde für mich klar, dass ich das Thema nicht nur anwenden, sondern auch fachlich und beruflich weiterentwickeln möchte.

AI Act, KI-Ethik, eigene Tests: Was hat dir wirklich geholfen, KI besser zu verstehen, und was eher nicht?

Grundsätzlich hat mir das Thema KI-Ethik enorm geholfen. Vor allem die Einordnung, was beim Umgang mit Input und Output beachtet werden muss, hat mich sehr sensibilisiert. Privat wie beruflich.

Auch der EU AI Act hat mir noch einmal gezeigt, wie wichtig Regulierung in diesem Bereich ist und dass sie auch einen konkreten Nutzen haben kann. Ich bin ja selbst in einigen Unternehmen ein Datensatz. Der verantwortungsvolle Umgang damit ist mir entsprechend wichtig.

Eigene Tests helfen mir wiederum dabei, die Themen rund um KI zu festigen, weiterzulernen und den eigenen Umgang damit kontinuierlich zu verbessern. Gerade durch das praktische Ausprobieren merke ich schneller, wo KI echten Mehrwert liefert und wo Grenzen liegen.

Weniger hilfreich ist für mich inzwischen das reine Hinterherlaufen hinter jedem neuen Tool oder Modell. Es gibt aktuell sehr viel FOMO rund um KI. Für mich wird deshalb immer wichtiger, nicht zu fragen: Was kann dieses neue Tool? Sondern: Welches konkrete Problem kann ich damit sinnvoll lösen?

Du bringst einen Marketinghintergrund mit. Wie verbindest du dieses Wissen mit KI zu einem eigenen Profil?

Ich möchte als AI-first handelnder Leader im Marketing das Thema KI wertstiftend in Organisationen einbringen. Die Vorteile aufzeigen, aber genauso die Risiken.

Mein Ziel ist es, den Aufwand für repetitive Aufgaben zu minimieren, damit mehr Zeit für Weiterentwicklung entsteht: Strategie, Optimierung und neue Ideen. Im Marketing, aber auch bei den einzelnen Personen im Team.

Dabei bedeutet AI-first für mich nicht, einfach bestehende Prozesse mit KI schneller zu machen. Ich frage mich zunehmend auch, wie sich Prozesse, Rollen und ein Operating Model durch KI verändern können.

Ich lese aktuell sehr viel im Bereich KI und stelle mir dabei immer wieder die Frage: Sandro, wie kann das sinnvoll im Marketing eingesetzt werden? Wo entsteht echter Mehrwert? Und wie könnte das ein Operating Model beeinflussen?

Genau in dieser Verbindung aus Marketingwissen, Leadership, Technologie und verantwortungsvollem KI-Einsatz sehe ich mein berufliches Profil.

Was rätst du jemandem, der echte KI-Kompetenz aufbauen will, ohne nur von Tool zu Tool zu springen?

Gerade jetzt ist es aus meiner Sicht eine große Chance, sich ein solides theoretisches Fundament aufzubauen. Als Basis für weitere KI-Themen halte ich das für den richtigen Weg.

Learning by Doing ist wichtig. An diesem Punkt war ich selbst auch. Aber nach den intensiven sechs Wochen bei MOD und dem zusätzlichen Austausch mit Teilnehmerinnen, Teilnehmern und Dozierenden habe ich ein deutlich besseres Verständnis dafür entwickelt, wie KI sinnvoll eingesetzt werden kann.

Für mich gehört heute beides zusammen: theoretisches Verständnis und praktische Anwendung. Einen konkreten Use Case wählen, ausprobieren, Ergebnisse kritisch prüfen, verbessern und daraus im besten Fall einen wiederholbaren Prozess entwickeln.

Und man muss sich das FOMO ein Stück weit abgewöhnen. Viele Themen im Bereich KI sind spannend, aber für die eigene Praxis nicht automatisch relevant. Deshalb würde ich nicht versuchen, jedes neue Tool zu kennen. Wichtiger ist aus meiner Sicht, zu verstehen, was KI grundsätzlich leisten kann und wo sie für den eigenen Arbeitskontext wirklich sinnvoll ist.

Sandros Tipp: die Prüfung nach dem Prompt

Ein überzeugender Output ist noch lange kein richtiger Output. Sandro geht nach jedem relevanten KI-Ergebnis eine kurze Checkliste durch:

  • Ist das Ergebnis fachlich plausibel?
  • Passen Zahlen, Quellen und Annahmen?
  • Beantwortet der Output wirklich die ursprüngliche Aufgabe?
  • Fehlt wichtiger Kontext?
  • Wo interpretiert die KI stärker, als die Daten es zulassen?
  • Was muss ich am Prompt oder Input für die nächste Iteration ändern?

Überblick zu KI-Kompetenz und Weiterbildung: Was eine KI-Schulung abdecken muss.

Was ich aus dem Gespräch mitnehme

Sandros Antworten passen gut zu dem, was Sebastian gesagt hat: Nicht das nächste Tool macht den Unterschied, sondern das Verständnis dahinter. Sandro setzt aber einen eigenen Akzent, und den finde ich wichtig.

Viele sehen KI-Ethik und den EU AI Act als Pflichtprogramm. Sandro beschreibt es umgekehrt: Gerade die Frage, was man in ein Modell hineingibt und wie man mit dem Output umgeht, hat ihm geholfen, KI besser zu verstehen. Das deckt sich mit meiner Erfahrung aus der Live-Session zu Guardrails im MOD-Kurs. Und es ist mehr als „nice to have“: Seit Februar 2025 verlangt der AI Act von Unternehmen, die KI einsetzen, dass ihre Mitarbeitenden über ausreichende KI-Kompetenz verfügen (Art. 4).

Besonders gefällt mir seine Unterscheidung beim Begriff AI-first. Wer KI nur nutzt, um bestehende Abläufe zu beschleunigen, holt einen Teil des Potenzials heraus. Spannender wird es bei der Frage, welche Aufgaben, Rollen und Schnittstellen sich dadurch verändern. Das ist eine Führungsfrage, und genau dort sieht Sandro sein Profil.

Am Ende landen wir wieder beim selben Punkt: Theorie und Praxis sind kein Entweder-oder. Wer die Grundlagen versteht, kann neue Tools schnell einordnen, statt jedem Hype hinterherzulaufen. Danke, Sandro, für deine offenen Antworten.

Das Wichtigste in Kürze

  • KI hilft Generalisten, schnell und fundiert in Spezialthemen wie Performanceanalysen einzusteigen.
  • KI-Ethik und der EU AI Act schärfen den Blick dafür, was man in ein Modell gibt und wie man mit dem Ergebnis umgeht.
  • Erst das konkrete Problem, dann das Tool. Wer jedem neuen Tool hinterherläuft, verliert den Fokus.
  • AI-first heißt nicht nur schneller arbeiten, sondern Prozesse, Rollen und das Operating Model neu denken.
  • Theoretisches Fundament und praktische Anwendung gehören zusammen: Use Case wählen, testen, prüfen, verbessern.

Wer ist Sandro Wittkopp?

Sandro Wittkopp ist Head of Marketing aus Berlin und seit über 15 Jahren im digitalen Marketing unterwegs. Seine Schwerpunkte sind SEO und GEO, Performance-, Omnichannel- und E-Commerce-Marketing sowie MarTech. Sein Anspruch: KI wertstiftend und verantwortungsvoll in Marketingorganisationen einbringen.

Sandro Wittkopp, Head of Marketing mit Schwerpunkt KI im Marketing

Sein Weg begann als SEO-Manager bei home24 mit Verantwortung für internationale Märkte. Danach leitete er das digitale Marketing bei der Neue Werte GmbH und das Online-Marketing der Unternehmensgruppe Brüder Schlau, zuletzt als Head of Omnichannel Marketing & Retail Media. 2026 war er Head of Marketing bei der Lieblingsgarn GmbH und hat dort eine AI-first-Arbeitsweise im Marketing etabliert. Seit 2024 unterrichtet er außerdem als Dozent am Erich Pommer Institut. Studiert hat er an der HTW Berlin. Sein Leitsatz: „KI-Kompetenz bedeutet nicht, möglichst viele Tools zu beherrschen. Sie bedeutet, Technologie sinnvoll in Marketing, Prozesse und Entscheidungen zu integrieren.“

Sein LinkedIn-Profil: Sandro Wittkopp auf LinkedIn

Kurs. Praxis. Profil.

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