Viele denken: Wenn eine Website bei Google gut sichtbar ist, wird sie auch in ChatGPT auftauchen. Das ist nicht völlig falsch, aber zu einfach.

Neue technische Beobachtungen und öffentliche Aussagen deuten darauf hin, dass ChatGPT nicht nur Suchergebnisse von Google oder Bing nutzt. OpenAI baut offenbar eigene Systeme auf, um Inhalte zu finden, zu speichern und für Antworten auszuwählen. Dazu kommen externe Datenanbieter wie Google, Microsoft Web IQ, Yelp oder Tripadvisor.

Schaubild der Datenwege von eigenen Crawlern und externen Anbietern zum ChatGPT-Retrieval-System
Mehrere Datenwege statt nur einer Suchmaschine.

Was ist ein Suchindex?

Ein Suchindex ist eine große, sortierte Arbeitskopie des Internets. Programme, sogenannte Crawler, rufen Webseiten ab, lesen Texte, Überschriften und Links aus und speichern diese Informationen. Wenn jemand sucht, wird nicht das gesamte Internet live durchsucht, sondern dieser vorbereitete Datenbestand.

ChatGPT braucht etwas Ähnliches. Der Unterschied: Google liefert vor allem Treffer und Links. ChatGPT sucht passende Informationen, bewertet sie und formuliert daraus eine Antwort.

Diesen Vorgang nennt man Retrieval. Gemeint ist das gezielte Finden relevanter Quellen. Fragt jemand etwa nach einem passenden E-Bike für den Arbeitsweg, muss das System Informationen zu Preis, Reichweite, Gewicht, Verfügbarkeit und Alltagstauglichkeit zusammenbringen.

Mehrere Datenwege statt nur Bing

Der GEO-Anbieter Peec AI hat technische Ereignisdaten von ChatGPT untersucht. Dabei tauchte neben externen Quellen ein Eintrag namens „Labrador“ auf. Peec AI interpretiert ihn als eigenen OpenAI-Index. Das ist keine offizielle Bestätigung von OpenAI, aber ein ernst zu nehmender Hinweis.

Die wichtige Erkenntnis: ChatGPT ist offenbar kein bloßes Bing-Frontend. Das System kann eigene Crawler einsetzen und zugleich Daten von externen Anbietern einbeziehen. Diese Quellen können je nach Frage unterschiedlich relevant sein: Produktdaten für Shopping, Bewertungen und Öffnungszeiten für lokale Unternehmen oder wissenschaftliche Inhalte für Fachfragen.

Öffentliche Aussagen aus dem Google-Kartellverfahren passen dazu. Nick Turley, bei OpenAI für ChatGPT verantwortlich, erklärte, dass OpenAI bereits an einem eigenen Suchindex arbeite. Ein vollständiger Webindex entsteht allerdings nicht über Nacht. Google hat seine Infrastruktur über Jahrzehnte aufgebaut. Deshalb ist es plausibel, dass ChatGPT auf absehbare Zeit mehrere Datenwege kombiniert.

Was bedeutet das für SEO und Online-Marketing?

SEO wird dadurch nicht ersetzt, aber erweitert. Saubere Technik, gute Inhalte und klare Seitenstrukturen bleiben wichtig. Neu ist: Unternehmen müssen stärker darauf achten, ob ihre Informationen auch außerhalb der eigenen Website konsistent und eindeutig sind.

Für die Praxis heißt das:

  • Inhalte sollten konkrete Fragen beantworten, statt nur mit allgemeinen Werbeaussagen zu arbeiten.
  • Produktdaten wie Preis, Varianten, Verfügbarkeit, Versand und Rückgabe müssen aktuell sein.
  • Lokale Daten wie Adresse, Telefonnummer und Öffnungszeiten dürfen sich auf Website, Google-Unternehmensprofil und Branchenplattformen nicht widersprechen.
  • Strukturierte Daten, also maschinenlesbare Zusatzinformationen im Code, helfen Systemen dabei, Produkte, Angebote oder Unternehmen korrekt einzuordnen.
  • Sichtbarkeit sollte nicht nur über Rankings und Klicks gemessen werden. Relevant ist auch: Wird die Marke in KI-Antworten erwähnt, korrekt beschrieben oder als Quelle ausgewählt?

Ein paar FAQ-Blöcke oder eine llms.txt-Datei lösen dieses Thema nicht. Entscheidend sind belastbare Informationen, technische Zugänglichkeit und konsistente Daten.

Fazit

Google und Bing bleiben wichtig. Sie sind aber keine vollständige Prognose mehr dafür, ob und wie eine Marke in ChatGPT vorkommt. KI-Suche entwickelt sich zu einem Zusammenspiel aus eigenen Crawlern, gespeicherten Inhalten, externen Datenanbietern und Auswahlmechanismen.

Für Einsteiger im SEO und Online-Marketing ist das vor allem eine praktische Aufgabe: Informationen sauber strukturieren, Daten pflegen, technische Grundlagen verstehen und die Fragen echter Menschen besser beantworten als die Konkurrenz.

Diese Entwicklung wird selbstverständlich sofort in die Live-Sessions des SEO-Kurses und des KI-Kurses aufgenommen. Wer SEO heute erklärt, ohne KI-Suche, Datenquellen und Retrieval mitzudenken, beschreibt sonst noch die alte Karte, obwohl sich die Wege längst geändert haben.

(Quelle: https://peec.ai/blog/chatgpt-built-its-own-search-index)

Mehr zum Thema

Was sich dadurch für Suche und Sichtbarkeit verschiebt, steht im Überblick auf KI im Marketing.